Baubericht Pfalz DIIIa (1:48 Eduard)
Geschrieben von: Walter Lampel
Baubericht einer Pfalz DIIIa - einem Jagddoppeldecker aus dem 1. Weltkrieg
VORWORT
So um Ostern 2005 fings an. Eigentlich wollte ich im Modellbauladen ja für meinen Sohnemann (5 Jahre) einen dieser Revell-Rally-Steckmichschnellzusammen-Bausätze kaufen weil ich mich dunkel daran erinnerte wieviel Spaß mir als Kind Plastikbausätze gemacht haben.
Damals, als ich noch jung war (vor ca. zweihundert Jahren) brauchte ich nicht mal einen Lack zum Glücklichsein – die rohe Plastikfarbe war einfach super - die Decals hielten ohne Chemie und für das Raustrennen der Spritzteile waren die Finger gut genug. Das Geld für Zusatzliteratur, Zusatzdecals und Zusatzverbesserungen wurde damals anderwertig investiert. In 45 Minuten (längstens!!) waren die Modelle fertig und konnten Ihrer Bestimmung übergeben werden. Im Hof wurde – natürlich ohne Wissen der Eltern – festgestellt was mit einem Panzer passiert wenn man einen oder zwei Piraten-Kracher darin zum Zünden bringt *hehe*
Kurz und gut – ich kann mich nicht mehr genau erinnern was im Modellbauladen passierte, aber ich kam jedenfalls ziemlich benommen mit mehreren Schachteln nach Hause (richtig – das Revell-Auto für den Sohn war nicht dabei *gg*). Meine Frau starrte mich fassungslos an und meinte der Junge sei ja noch zu klein um mit diesen Bausätzen umzugehen – vom mitgebrachten Superkleber war sie auch nicht begeistert. Dann beichtete ich Ihr dass diese Schachteln alle für mich sind – seitdem sagt sie zu Ihren Freundinnen immer „ ... ich hab mir seine Midlife-Crisis eigentlich ganz anders vorgestellt, aber so ist es besser als wenn er mit einer jüngeren Assistentin Überstunden macht“.
Eine dieser mitgebrachten Schachteln war jedenfalls auch der Eduard Pfalz D.IIIa Bausatz. Ich hatte von Eduard vorher noch nie etwas gehört – auch Pfalz als Flugzeug war mir neu. Ich kannte nur Fokker und Albatros … von einigen Filmen. Aber das Packungsbild zur Pfalz fand ich toll und PROFIPACK stand auch drauf – genau das richtige für den Mann!!
Also setzte ich mich hin, öffnete die Schachtel, besah die Ätzteile genau, machte die Schachtel wieder zu und kratzte mich am Kopf. Ach du XXXXXX, wie soll ich denn das verarbeiten – inzwischen hatte ich geplant doch ein richtiges Standmodell zu bauen und auf die Verwendung von Piraten-Krachern oder Abschussrampen zu verzichten.
Ich musste mehr erfahren – die nächsten Wochen und Monate saugte ich alles auf was es so in diesem Bereich gab. Alles fügte sich wie Vorherbestimmt zusammen. Ich entdeckte Zeitschriften zu dem Thema (Modellfan, Kit, Wingmasters, …) Internetforen wurden entdeckt, Modellbauportale wurden gefunden und sogar zwei Plastik-Modellbauclub in meiner Stadt wurden ausgemacht.
Mein 1. Semester als Plastikmodellbauer war vorüber – jetzt war ich bereit für den ….
EINKAUF – Jetzt wurde MASSIG eingekauft – Airbrush, Kompressor, Farben, Verdünner, Marderhaarpinsel, Schleifpapiere aus Spezialgeschäften (im Bauhaus gibt’s die Körnung nicht), Mikrobohrer aus der Chirurgie, geheime chemische Substanzen aller Art die von Modellbau-Profis in diversen Foren bekanntgemacht wurden (mein Apotheker schaut schon komisch wenn ich durch die Tür gehe *gg*), amerikanische und tschechische Spezialwerkzeuge, im Arbeitszimmer wurde ein Werktisch, eine Airbrushkabine und 4 verschiedene Lampen installiert …….
Nachdem nun das nötigste Equipment (ca. 1.000 €) vorhanden war konnte der Bausatz von Eduard (ca. 25 €) wieder geöffnet werden. Und als ich die Ätzteilplatine sah wusste ich was zu tun war …. theoretisch.
DER BAUBEGINN
Begonnen wird beim Bau von Modellen immer mit einer trockenen Passprobe. Damit kann man schon mal vorhersehen kann, wieviel Baldrian/Bier (wahlweise) für den Bau des Modells bereitgehalten werden muss.
Ich bin beunruhigt … in diversen Foren wird immer wieder behauptet Eduard habe Tamiya-Niveau bei der Passgenauigkeit – nun, dann habe ich wohl zu einem „Montags-Bausatz“ gegriffen. Irgendwie passt hier vorn/hinten/oben/unten nicht zusammen – trotzdem ich alle Passstife vorher abgeschnitten habe … so wie ichs auch bei anderen Bauberichten gelesen habe. Egal, ich schau dass der Versatz eher unten ist damit ich oben nicht so viel spachteln muss. Der fehlende Guss an der vorderen Motorumfassung ? … vielleicht ein Feature einer speziellen Maschine, Mangels Literatur kann ich noch keine Aussage machen – Windsock Datafile war noch per Post unterwegs.

Spalten bei den Heckflossen sind nach Expertenmeinung nicht so bedenklich die können gaaaanz leicht mit, gezogenen Gußästen (aha) und einem speziellen Mr. Surfacer von Gunze (ca. 1500) wieder geschlossen werden (den hab ich nicht, den muss ich erst bestellen) ….

Und weil wir ja ziemlich ralitätsnah das Maschinchen bauen wollen müssen wir hier ein bissl was ergänzen. Auf einigen Internetfotos (Anfangs meine einzige Infoquelle zur D.IIIa) sah man zwischen den Wartungsdeckeln immer wieder einen schwarzen Strich in gleicher Länge. Da dort am Modell keiner war wurde kurzerhand das neue Gravurgerät ausprobiert und die fehlende Gravur eingezogen.
Das Werkzeug kann das prima … was nicht so prima war und sich einige Wochen später herausgestellte war, diese Linie war gar keine Gravur sondern ist eine „Datumslinie“ und wurde aufgemalt (XXXXX „Schimpfwort“). Naja, der Mr. Surfacer ist eh unterwegs….

Was auffällt ist dass diese Wartungsdeckel doch ziemlich erhaben sind – hier kann ich gleich mit meinen Feilen aus der Damenabteilung der Drogerie (da war ich vor dem Modellbau nur um Parfumgeschenke für meine Frau zu kaufen, jetzt kennen die dort meinen Vornamen) für etwas Verbesserung sorgen.

Als nächstes kann ich mein Bohrersortiment testen. Hier wird ein Loch gebort – es wurde nämlich von Eduard „vergessen“ dass 2 Leitungen vom Gravitationstank in der oberen Tragfläche an dieser Stelle zum Motor gelangen …. Diesmal hatte ich Recht und nicht Eduard. Weils so schön war wurden auch die 2 Löcher in den Gravitationstank gebohrt. Auf der anderen Seite wird ebenfalls ein Loch für eine Leitung zum Radiator gebort.
Den Mikrobohrer nicht weit weglegen, den brauchen wir gleich wieder. Am hinteren Rumpf hat Eduard nämlich Löcher hingemacht wo gar keine sein sollen. Die muss man nach OBEN versetzen – sonst können die Steuerseile nicht realistisch an den entsprechenden Hörnern befestigt werden. Also erst Loch zu, spachteln, schleifen und dann neues Loch wieder aufbohren. Dann auch gleich die anderen kleinen Löcher aufbohren um später hier die Steuerseile besser einfädeln zu können.

COCKPIT
Jetzt wird es Zeit sich um das Cockpit zu kümmern. Der nachträgliche Einbau scheint durch das runde Loch (wo der Pilot raussieht) auch tatsächlich etwas schwierig zu sein – dafür hab ich noch kein Spezialwerkzeug gefunden, muss mich mal in der Werkzeugtasche eines befreundetetn Chirurgen umsehen …
Trockenprobe wird diesmal mit Unterstützung von UHU tac patafix gemacht – diese Klebewürfelchen können nach der Passprobe wieder entfernt werden. Ich habs auch mal mit Play-Doh Knete der Kinder versucht, aber die Knetmasse hat „gefettete“ Rückstände hinterlassen und die Kinder haben kratzige Rückstände am Modell hinterlassen als sie grad mal die Knete gebraucht haben.
Der Pilotensessel ist nicht als Ätzteil enthalten – macht aber nix weil man später eh nicht viel davon sieht.

Nur die vom Hersteller vorgeschlagene Montageart des Pilotensitzes auf dem dünnen Plastbauteilchen war nicht nach meinem Geschmack – hier hab ich einfach mit zugeschnittenen „Evergreen-Stangelchen“ aufgedoppelt (wieder so ein tolles Material von dem ich keine Ahnung hatte daß man sowas unbedingt Zuhause vorrätig haben sollte).
Und hier nochmals die ultimative Geheimwaffe für den ambitionierten Modellbauer – die modifizierte kabellose elektrische Zahnbürste (Tipp gefunden auf Modellversum.de) – YEPP!
Damit und mit Uhu-Tac lassen sich auch kleine Teile angenehm schleifen, wenn man die Teile richtig hält kann man seine Fingernägel auch gleich mit schleifen und meinen Zahnbelag hab ich schließlich damit auch mühelos entfernen können …

Nun wird es Zeit sich um die Farben der Innenausstattung Gedanken zu machen, Eduard schlägt Holzfarben vor – WWI-Profis ( zu finden auf www.theaerodrome.com oder wwi-modelds.org) meinen allerdings die Innenfarbe sei wie das aussenseitige silbergraue Finish gewesen.
Ich glaube den Profis (vom Web) und schreite zur Tat. Gemischt wird aus Tamiya Acrylfarben Flat Aluminium, White und Black. Damit habe ich einige Farbvarianten probiert. Hab dann schliesslich statt Black – Smoke von Tamiya beigemischt. Das ganze in einer aussreichenden Menge damit man später für die Lackierung den gleichen Farbton immer parat hat.
Endlich können die neuen Pinsel genutzt werden und das gleich in mehreren Durchgängen, weil die Farbe nicht ordentlich deckt und sogar leicht vom Bauteil abperlt (obwohl ich das Modell laut Lehrbuch vorher in lauwarmen Spüliwasser abgebürstet habe – vielleicht scheint ja der empfohlene Silikonentferner sinnvoller … bestimmt, ..., den bestell ich gleich .. ).
Ausserdem hab ich bei dieser ersten einfachen Übung gelernt dass leicht angetrocknete Tam. Farbe von frisch aufgetragener Tam. Farbe abgelöst wird und dann in kleinen Bröckerln auf der Oberfläche schwimmt ….
Nachdem dieses Farbproblem einigermassen im Griff war und das Cockpitinnere in Silbergrau erstrahlte konnte es mit dem nächsthöheren Schwierigkeitsgrad weitergehen – dem WASHING. In dunklen Cockpitecken ist es ein MUSS und wer das nicht macht wird gleich als unwissender Modellbauloser entlarvt, das wollte ich natürlich nicht und fühlte mich auch durch meine Vorarbeit (hab ca. 25 Forumseinträge und sonstige Tipps zu Washing aus diversen Foren gelesen und gespeichert) Topfit für diese Kleinigkeit. Die extra dafür angeschafften Künstlerölfarben bester Qualität waren gerade gut genug. Stark verdünnt in einem Thinner von Daler-Rowney sollte die braune Farbe nur so in die Ecken huschen.
MÖÖÖP – Fehlanzeige, zurück zum Start, bei mir nicht!
Statt in die Ecken zu fließen breitete sich die dünne Ölfarbe auf den ebenen Flächen aus und konnte nicht kontrolliert werden. Ausserdem bildeten sich auch wieder Farbbröckchen …. (ich hör schon die Profis tuscheln: „jaja, Feuerzeugbenzin hätter er nehmen sollen oder White Spirit oder die Ölfarben von Mussini … ).
Aber durch diesen herben Rückschlag lass ich mich nicht entmutigen, Ruckzuck den Bleistift ausgepackt und einfach die dunklen Ecken nachgezogen … und zumindest da verrint jetzt nix *gg*.

So, die Ölreste auf der Cokpitinnenseite lass ich erst mal trocknen und wende mich einer anderen Baustufe zu … dem Motor.
Über den Autor Walter Lampel

Ich wurde schon als Kind mit dem Modellbauvirus infiziert. Trotz vieler "Auszeiten" durch modellbauerisch unrelevante Dinge wie ... Pubertät, Militärzeit, UN-Einsatz, Berufskarriere, Hochzeit, 2 Kinder, eigene Firma hochziehen ... habe ich nie das Interesse am Plastikmodellbau verloren.
Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit modernen Militärfahrzeugen (speziell UN-Fahrzeuge) und mit Flugzeugen aus der Anfangszeit der österreichischen Luftfahrt. Hin und wieder werden auch Figuren bemalt oder Science-Fiction Modelle mit meinen Kindern gebaut.
Email: w.lampel@gmx.at